Grundbegriffe

Die 13-Wochen-Liquiditätsvorschau – Schritt für Schritt

Stand: 20. Oktober 2026 · · 6 Min. Lesezeit

Definition: Eine 13-Wochen-Liquiditätsvorschau ist eine wochengenaue Planung aller Ein- und Auszahlungen für das nächste Quartal. Sie zeigt, in welcher Woche das Geld knapp wird, bevor es passiert, und ist das wichtigste Steuerungsinstrument in der Liquiditätskrise.

Wozu Du sie brauchst

Die BWA sagt Dir, ob Du im letzten Monat Gewinn gemacht hast. Die 13-Wochen-Vorschau sagt Dir, ob Du in sechs Wochen die Löhne zahlen kannst. Das ist ein Unterschied, der über Zahlungsfähigkeit entscheidet: Gewinn steht in der BWA, Liquidität auf dem Konto. Wer keine Vorschau hat, merkt eine Lücke erst, wenn sie da ist – und ist dann oft schon im Rechtssinn zahlungsunfähig (mehr dazu unter Liquiditätskrise).

Dreizehn Wochen sind ein Quartal: lang genug, um Steuertermine, Quartalszahlungen und Saisonschwankungen zu sehen, kurz genug, um wochengenau planen zu können.

Der Aufbau

Eine Tabelle, dreizehn Spalten – eine pro Kalenderwoche. Die Zeilen:

  1. Anfangsbestand – Guthaben auf allen Geschäftskonten am Montag der Woche. Freie Kreditlinien in einer eigenen Zeile darunter, nicht einrechnen.
  2. Einzahlungen – offene Kundenforderungen in der Woche, in der sie realistisch bezahlt werden (nicht am Fälligkeitstag, sondern nach Zahlungsverhalten des Kunden); neue Umsätze nach Zahlungsziel; sonstige Einnahmen wie Erstattungen.
  3. Auszahlungen – Lieferantenrechnungen nach Fälligkeit; Löhne und Gehälter; Sozialversicherungsbeiträge (drittletzter Bankarbeitstag des Monats); Lohnsteuer (10. des Folgemonats); Umsatzsteuer (10. des Folgemonats, mit Dauerfristverlängerung einen Monat später); Miete, Leasing, Versicherungen; Zins und Tilgung; Privatentnahmen.
  4. Endbestand = Anfangsbestand + Einzahlungen − Auszahlungen. Der Endbestand ist der Anfangsbestand der nächsten Woche.
  5. Liquiditätsreserve – Endbestand plus freie Kreditlinie. Fällt sie in einer Woche unter Null, hast Du dort ein Problem, und Du siehst es heute.

Die Datenquellen

  • Offene-Posten-Liste Debitoren aus der Buchhaltung – für die Einzahlungen.
  • Offene-Posten-Liste Kreditoren – für die Lieferantenzahlungen.
  • Lohnjournal – für Löhne und Abgaben.
  • Steuerkalender von Deinem Steuerberater – für Umsatzsteuer, Lohnsteuer, Vorauszahlungen.
  • Kontoauszüge der letzten drei Monate – um wiederkehrende Zahlungen nicht zu vergessen.

Die BWA ist keine Datenquelle für die Vorschau. Sie folgt dem Realisationsprinzip: Umsatz steht drin, wenn die Rechnung geschrieben ist, nicht wenn das Geld da ist. Für Liquidität zählt nur der Zahlungsfluss.

So hältst Du sie am Leben

Eine Vorschau, die einmal erstellt und nie wieder angefasst wird, ist nach drei Wochen falsch. Darum:

  • Jede Woche denselben Termin – zum Beispiel Montag, 30 Minuten.
  • Ist gegen Plan – die vergangene Woche mit den echten Kontobewegungen abgleichen. Wo lagst Du daneben, und warum?
  • Eine Woche weiterrollen – die abgelaufene Woche fällt vorne raus, hinten kommt Woche 13 dazu. So schaust Du immer ein Quartal nach vorn.

Typische Fehler

  • Forderungen zum Fälligkeitstag einplanen. Plane mit dem tatsächlichen Zahlungsverhalten. Ein Kunde, der immer 20 Tage zu spät zahlt, zahlt auch diesmal zu spät.
  • Kreditlinie als Guthaben rechnen. Die Linie ist Reserve, kein Geld. Banken kürzen Linien gerade dann, wenn es eng wird.
  • Steuern vergessen. Umsatzsteuer und Lohnsteuer sind fremdes Geld auf Deinem Konto – sie gehen sicher raus.
  • Privatentnahmen weglassen. Was Du entnimmst, fehlt dem Unternehmen.
  • Zu optimistisch planen. Einzahlungen eher spät und knapp, Auszahlungen eher früh und voll.

Wann Du handeln musst

Zeigt die Vorschau in einer Woche eine Lücke, hast Du Zeit gewonnen – nutze sie: Zahlungsziele mit Lieferanten verhandeln, Forderungen aktiv eintreiben, Ausgaben verschieben, mit der Bank sprechen, bevor die Lücke da ist. Zeigt sie eine Lücke, die Du innerhalb von drei Wochen nicht schließen kannst, hol Dir sofort Unterstützung – Steuerberater und, bei einer GmbH, einen Fachanwalt für Insolvenzrecht. Die Vorschau ersetzt keine Prüfung der Zahlungsfähigkeit nach § 17 InsO, sie ist aber ihre wichtigste Grundlage.

Die 13-Wochen-Vorschau ist das Werkzeug für die akute Lage. Für die langfristige Krisenfrüherkennung brauchst Du zusätzlich eine rollierende Planungsrechnung über zwölf bis 24 Monate und eine Handvoll Frühwarn-Kennzahlen.

Häufige Fragen

Was ist eine 13-Wochen-Liquiditätsvorschau?

Eine wochengenaue Planung aller Ein- und Auszahlungen für die nächsten dreizehn Wochen, also ein Quartal. Sie zeigt, in welcher Woche das Geld knapp wird, bevor es passiert.

Wie berechnet man den Endbestand in der Liquiditätsvorschau?

Anfangsbestand plus Einzahlungen minus Auszahlungen ergibt den Endbestand der Woche. Er ist zugleich der Anfangsbestand der Folgewoche. Freie Kreditlinien werden getrennt ausgewiesen und nicht eingerechnet.

Kann ich die BWA für die Liquiditätsplanung verwenden?

Nein. Die BWA zeigt Erträge und Aufwendungen nach dem Realisationsprinzip, nicht Zahlungsflüsse. Für die Liquiditätsvorschau brauchst Du offene Posten, Lohnjournal, Steuertermine und Kontoauszüge.

Wie oft muss die 13-Wochen-Vorschau aktualisiert werden?

Wöchentlich: vergangene Woche mit den Ist-Werten abgleichen und die Vorschau um eine Woche nach vorn rollen. So bleibt der Blick immer ein Quartal voraus.

Wer erstellt die Liquiditätsvorschau?

Der Unternehmer selbst oder die Buchhaltung, mit den Daten vom Steuerberater. Wichtig ist, dass der Inhaber sie jede Woche liest und daraus Entscheidungen ableitet.

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