Blog

Was Du nicht messen kannst, kannst Du auch lassen

14. Januar 2026 · Olaf Rosenbaum · 2 Min. Lesezeit

Ein Steuerberater aus Kiel nimmt sich vor: Ich möchte zu den Top drei Steuerberatern von Kiel gehören. Eine tolle Aufgabe – aber kein Ziel. Denn es gibt nichts, womit er messen könnte, ob er ankommt.

Wie misst man „Top drei"? Nach Umsatz? Mitarbeiterzahl? Bürofläche? Ein Kollege in Kiel wirbt damit, dass er auf zweieinhalbtausend Quadratmetern Steuerberatung macht. Ich weiß nicht, wofür das ein Kriterium ist – aber zumindest hat er viel Fläche. Und selbst wenn Du Dich auf eine Messgröße einigst: Woher bekommst Du die Daten? Du kannst nicht erheben, wie viele Mandanten die Kollegen haben.

Ein brauchbares Ziel – im OKR-System heißt es Objective – ist ein wünschenswerter Zustand in der Zukunft, formuliert in einem Satz. Und zu jedem Ziel gehören Messwerte, die Key Results: so viele wie nötig, so wenige wie möglich, als Faustformel drei, maximal fünf. Zwei Bedingungen müssen sie erfüllen. Erstens: Die Größe muss überhaupt messbar sein. Zweitens: Du musst mit überschaubarem Aufwand an die Daten kommen. Wenn Du für jede Messung eine achtwöchige Marktforschung brauchst, ist es die falsche Metrik.

„Wir wollen die Durchlaufzeit von Auftrag bis Versand verkürzen" erfüllt beides – die Durchlaufzeit kann Deine IT automatisch mitmessen. „Top drei in Kiel" erfüllt keins von beiden.

Ein Ziel ohne Messwert wabert im Raum. Du kannst nie feststellen, ob Du ihm näher kommst – also ändert es auch nichts an dem, was Du morgen tust.

Ein Ziel, das Du nicht messen kannst, erreichst Du höchstens aus Versehen – und merkst es nicht einmal.

Teilen:

Alle Beiträge