Blog
Krise ist nicht, wenn das Geld weg ist
Wann beginnt eine Krise? Die meisten Unternehmer würden sagen: wenn es ums Geld eng wird. Zahlungsstockung, Bankkonto am Anschlag – das ist tatsächlich der Zeitpunkt, an dem die meisten aufwachen und merken, dass etwas nicht stimmt.
Nur: Da ist die Krise nicht am Anfang, da ist schon Alarm. Deshalb der Satz, an dem alles hängt: Krise ist nicht, wenn das Geld weg ist. Krise heißt Verlust der Steuerbarkeit. Die fehlende Liquidität ist nur das Endergebnis von allem, was vorher nicht gut gelaufen ist.
Dahinter steht ein einfaches Bild: Es gibt nur zwei Zustände in Deinem Unternehmen. Entweder Du steuerst, oder Du wirst getrieben – dazwischen gibt es nichts. Steuern heißt: Du weißt, wo Du stehst, wohin Du willst und was als Nächstes zu tun ist. Getrieben werden heißt: Du reagierst. Auf den Anruf, auf die Reklamation, auf den Mitarbeiter, der kündigt, auf den Kontostand. Immer in der Reaktion, nie vorne.
Das Tückische: Beides fühlt sich gleich anstrengend an, beides füllt zwölf Stunden am Tag. Der Unterschied ist nicht die Menge der Arbeit. Der Unterschied ist, ob Du die Richtung vorgibst – oder die Richtung vorgegeben bekommst.
Steuerbarkeit ist dabei kein Gefühl, sondern eine Fähigkeit: Dein Unternehmen verlässlich dahin zu bewegen, wo Du es haben willst, ohne dass Du selbst an jedem Hebel ziehen musst. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht „Geht es dem Unternehmen gut?" – die beantwortest Du mit Ja, solange Geld auf dem Konto ist. Die entscheidende Frage lautet: Steuere ich noch, oder werde ich getrieben?
Die Liquidität ist nicht der Anfang Deiner Krise. Sie ist nur der Ort, an dem sie sichtbar wird.
Rosenbaum